Projekte

„Aber bro, was hab ich mit Hitler zu tun?“ – DFG-Projekt „Rap & Rassismus“

DFG-Projekt „Musikvideos, Szenemedien und Social Media – zur Aushandlung von Rassismus im deutschsprachigen HipHop“, Hochschule Magdeburg-Stendal (Beteiligte: Prof. Günter Mey, Dr. Marc Dietrich, Dr. Heidi Süß; Laufzeit 01.10.2018 – 30.10.2022)

Projektbeschreibung:

In dem dreijährigen DFG-Projekt werden gesellschaftsrelevante Rassismusaushandlungen auf Ebene der Produkte (Musikvideos), der (Szene)Medien (Online-Auftritte von Magazinen, Podcasts) und der Musikvideorezeption (v.a. Youtube-Kommentare) untersucht.

Eine zentrale inhaltliche Leistung besteht darin, mit „Rassismus“ und „Flüchtlingskrise“ zwei zentrale Gesellschaftsthemen der letzten Jahrzehnte aufzugreifen und zu untersuchen, wie diese innerhalb der weltweit einflussreichen Musikszene HipHop verhandelt werden. Damit steht eine zentrale Semantik des HipHop-Diskurses im Fokus der Analyse, die forschungsseitig jedoch bislang weitestgehend vernachlässigt wurde. Mit „Fremd im eigenen Land“ von Advanced Chemistry (1995), Ebows „K4L“ (2019), OG Keemos „216“ (2019) oder auch CashMos „Alman“ (2020) interessieren uns Rassismusthematisierungen aus über drei Jahrzehnten HipHop-Geschichte und die Art und Weise wie diese künstler*innenseitig, journalistisch sowie seitens der Rezipierenden aufgenommen und kommunikativ bearbeitet werden.

Das Projekt leistet zudem eine Methodeninnovation, indem es die Grounded-Theory-Methodologie nicht nur auf die ‚Lyrics‘ oder andere textbasierte Internetdaten, sondern erstmalig auch umfassend auf die Analyse audiovisueller Daten (Rap-Musikvideos) bezieht (AVGTM= AudioVisuelle Grounded Theory Methodologie). Damit begegnen wir einem Defizit in der qualitativen Forschung und stellen eine Untersuchungsmethode bereit, die auf audiovisuelle Produkte (wie Musikvideos) aus dem Bereich der Popkultur angewendet werden kann.

Die Veröffentlichung der Studie ist auf den Sommer 2023 datiert.


„Make HipHop great again“ – Alter, Männlichkeit und die generationale Dimension der Aushandlung gesellschaftlicher Konflikte am Beispiel der digitalen HipHop-Kultur

>>> In Begutachtung <<<

Ein Forschungsprojekt von Dr. Marc Dietrich & Dr. Heidi Süß

Projektbeschreibung

Geschlecht, Feminismus und Identitätspolitik sind Themen, die die Gesellschaft und digitale Öffentlichkeit in den letzten Jahren stark polarisieren. Die Benachteiligung von Frauen* innerhalb verschiedener sozialer Felder, Diskussionen über Machtmissbrauch (Stichwort #metoo), „toxische Männlichkeit“ oder auch die Integration und Repräsentation ethnisch diverser Akteurinnen sowie solcher aus dem LGBTQIA+-Spektrum: All dies sind zutiefst umkämpfte Themen einer Gesellschaft, die sich angesichts gewandelter Geschlechter- und Sexualitätsbilder sowie zunehmender Diversität im Kontext der Postmigration neu konfigurieren und sich ihrer selbst vergewissern muss.

Dies manifestiert sich in Kämpfen, die im Falle der HipHop-Kultur in einem Feld erfolgen, das soziale Spannungen schon immer früh abgebildet hat und das aufgrund seines nunmehr vierzigjährigen Bestehens mittlerweile ein zutiefst intergenerational verfasstes Publikum aufweist. Im Zuge dessen hat sich hier eine digitale Aushandlungskultur ausgebildet, innerhalb derer sich Künstler*innen, Publikum und Journalist*innen gleichermaßen – und dabei höchst konfliktuös – an gesamtgesellschaftlichen Streitthemen abarbeiten. Markant an der hiphop-kulturellen Aushandlung von Themen wie Political Correctness, Feminismus oder der Inklusion non-binärer Akteurinnen (Stichwort: Queerer Rap) ist, dass diese nach unseren Beobachtungen verstärkt an der Schnittstelle von Alter und Geschlecht verhandelt werden und mit der Kategorie „Generation“ dabei häufig eine weitere Dimension mobilisiert wird, die zur Adressierung der Kritik in einem größeren Maßstab dient. So etwa im Sommer 2021, als sich im Kontext der Deutschrap-Metoo-Debatte junge „woke“ HipHop-Feministinnen und männliche Vertreter der „alten“ „HipHop-Garde“ gegenüberstanden und es zu einem digital geführten Schlagabtausch zwischen den Generationen kam.

Am Beispiel der HipHop-Szene, in der übergeordnete gesell. Konfliktlinien aus kulturästhetischen bzw. -historischen Gründen zumeist überspitzt geführt werden, wollen wir zeigen, dass der Kampf um Geschlecht, Feminismus und Identitätspolitik nicht zuletzt eine generationale Dimension aufweist. Unsere Analyse fokussiert die digitale Szenekommunikation innerhalb der Arenen (1) Musikvideos, (2) Kommentarebene und (3) Videointerviews- bzw. -Podcasts. An der Schnittstelle sozialwissenschaftlicher Jugendkultur- sowie soziologischer Männlichkeitsforschung visieren wir eine Grounded-Theory-basierte Rekonstruktion an, die eine dezidiert intersektionale Analyseperspektive verfolgt.